LEGION entwickelt eine KI-gestützte Methode zur automatisierten Klassifikation und Analyse römischer Alltagskeramik aus dem UNESCO-Welterbe Carnuntum. Grundlage ist ein einzigartiger Datensatz von rund 70.000 2D-Profilzeichnungen, ergänzt durch detaillierte Attributdaten (z. B. Form, Herstellung, Verzierung, Datierung, Fragmenttyp) sowie petrographische Dünnschliffanalysen. Mit modernen Machine-Learning-Verfahren, Explainable AI und Human-in-the-loop-Ansätzen entsteht eine skalierbare, transparente und nachvollziehbare Typochronologie, die neue Erkenntnisse zu Produktions- und Verteilungssystemen ermöglicht.
Das Projekt setzt bewusst auf etablierte 2D-Dokumentationsstandards statt auf aufwendige 3D-Verfahren, um eine praxisnahe Anwendung in Forschung, Denkmalpflege und kommerzieller Archäologie zu erleichtern. Gleichzeitig eröffnet LEGION neue Perspektiven auf Siedlungsdynamiken und sozioökonomische Prozesse, etwa durch die Rekonstruktion von Wachstums-, Krisen- und Niedergangsphasen Carnuntums sowie Rückschlüsse auf Handelsnetzwerke, Produktionszentren und kulturelle Identität. Alle Daten, Modelle und Tools werden nach FAIR- und CARE-Prinzipien offen verfügbar gemacht, u. a. über E-RIHS, und in einem starken Partnernetzwerk (ÖAW, TU Wien, NÖ Landessammlungen, ACDH-CH u. a.) samt aktiver Wissenschaftskommunikation weitergetragen.