260.778 Entwerfen GOING DUTCH 010. Rotterdam – Bausteine der Interaktion
Diese Lehrveranstaltung ist in allen zugeordneten Curricula Teil der STEOP.
Diese Lehrveranstaltung ist in mindestens einem zugeordneten Curriculum Teil der STEOP.

2022W, UE, 4.0h, 5.0EC

Merkmale

  • Semesterwochenstunden: 4.0
  • ECTS: 5.0
  • Typ: UE Übung
  • Format der Abhaltung: Präsenz

Lernergebnisse

Nach positiver Absolvierung der Lehrveranstaltung sind Studierende in der Lage...

die Potenziale und Komplexität der gebauten Umwelt zu erkennen, daraus richtungsweisende planerische Fragestellungen abzuleiten und diese Fragen durch die spezifische Ausformulierung eines konzeptuellen städtebaulichen, architektonischen Entwurfs zu beantworten. Stadt- und Raumproduktion soll anhand einer entwurfsorientieren Aufgabenstellung als ganzheitliche, transdisziplinäre Auseinandersetzung erfahren werden. Architektur und Städtebau sollen als kulturelle Praxis mit gesellschaftlicher Relevanz und als gestalterische Herausforderung einschließlich ihrer sozialen, ökonomischen, ökologischen und prozessualen Implikationen verstanden werden. Die Vermittlung adäquater Analyse-, Entwurfs- und Darstellungsmethoden und die Einführung in relevante Diskurse sind ein wesentlicher Teil der Lehrveranstaltung.

Inhalt der Lehrveranstaltung

Produktive Stadt – A Good City has Industry!  

Die Stadt war ursprünglich ein Sammelbecken unterschiedlichster Funktionen: Arbeit aller Art, Gewerbe, Industrie, Handel, Leben und Vergnügen - all dies hatte Platz - parallel, nebeneinander, hintereinander, übereinander als auch hybrid. Doch das dichte Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen kam an  seine Grenzen. Denn die Zeit der Industrialisierung, wo Wohnen und Arbeiten engstens miteinander verwoben waren, führte zu starken gesundheitlichen Problemen, hygienischen und sozialen Konflikten. In Folge dessen wendeten sich die meisten industriell geprägten Städten wieder vom Ideal der Dichte ab und ein Trend zur Entflechtung und eine Hinwendung zur funktionalistischen Trennung fand statt, welche die Industrie, sozusagen, vor die Tür gesetzt hat. Man wohnte von nun an in einem Wohngebiet, man erholt sich in einem Erholungsgebiet, die Produktion findet in einem Gewerbe- oder Industriegebiet außerhalb der Stadt statt und um diese einzelnen Enklaven miteinander zu verbinden ist der öffentliche Stadtraum überwiegend zum Verkehrsraum transformiert worden. Doch genau diese und die Trennung von Nutzungen und das Fehlen von gemeinschaftlichen und öffentlichen Räumen fördert die Fragmentierung und Individualisierung der Gesellschaft. Denn gerade sozialen Realerfahrungen – nämlich jeden Tag unterschiedliche Menschen zu sehen, zu treffen und zu sprechen – sind die Grundvoraussetzungen für die Entwicklung eines demokratischen und solidarischen Grundverständnisses (Thomas Sieverts).  

Der aktuelle Diskurs der produktiven Stadt wirkt diesen Entwicklungen entgegen und setzt sich für eine  Rückwendung auf ein konstruktives und lebendiges Neben- und Miteinander ein. Eine Stadt der kurzen Wege ist ökologischer, mit einer steigender Dichte sinkt der Landverbrauch pro Kopf und die Auslastung und das Angebot von sozialer Infrastruktur und Kultureinrichtungen nimmt zu. Wenn dann auch noch Waren und Lebensmittel lokal produziert und gehandelt werden, führt es dazu dass die Stadt wieder zu einem engmaschigen Netzwerk von Wohnen, Arbeiten, sozialem und kulturellem Leben werden kann, die der Lebenswirklichkeit der Menschen im 21. Jahrhundert entspricht und den sozialen Herausforderungen entgegenwirken kann. 

Rotterdam – ein fruchtbarer Boden für Architekturexperimente 

Um die Architekturlandschaft und das Stadtgefüge von Rotterdam zu verstehen, muss man seine Geschichte kennen: Rotterdam ist die zweitgrößte Stadt in den Niederlanden und beherbergt den größten Containerhafen Europas. Die im Rhein-Maas-Delta gelegene Hafenstadt hat Anfang des 20. Jahrhunderts einen enormen Aufschwung als globaler Umschlagplatz für Gütererfahren. Im zweiten Weltkrieg wurde die florierende Stadt und Teile des Hafens bei einem Bombenangriffen beinahe komplett zerstört. Das alte Rotterdam verschwand weitgehend und der Wiederaufbau nach dem Krieg stellt einen städtebaulichen Neubeginn für die Stadt dar: ganz im Sinne der modernen funktionsgetrennten Stadt wurde Rotterdam in monofunktionale Wohn-, Arbeits- und Freizeitgebiete unterteilt. Das Stadtbild der Innenstadt weißt bis heute kaum Reminiszenzen einer historisch gewachsenen europäischen Stadt auf. Rotterdam ist gewollt modern und ambitioniert und hat aufgrund seines historischen Kontextes und der großflächigen Rekonstruktion viel Platz für Architekturexperimente geboten. Mittlerweile ist Rotterdam, auch deshalb, von ihrem Industrieimage zu einer modernen Hafenstadt emanzipiert. Die Stadt wächst und rechnet alleine in den nächsten 10 Jahren mit einem Bedarf von in etwa 50.000 Wohnungen. Doch nicht nur der Wohnbedarf steigt, sondern auch die Anforderungen an den Hafen und seine Industrie, welche sich immer mehr Richtung Westen und der Nordsee ausdehnt. Das hat zur vorteilhaften Folge, dass in Innenstadtnähe ehemalige Hafengebiete frei werden, die nun auch anderen Nutzungen zugeführt werden können. 

Merwe-Vierhavens [M4H] – ein Stadthafen im Wandel 

Merwe-Vierhavens, oder auch kurz M4H, ist einer dieser Stadthäfen in Rotterdam, dem ein großer Wandel bevorsteht und das Fokusgebiet dieser Lehrveranstaltung. Aktuell befinden sich noch einige Hafennutzungen im M4H-Areal, doch die Kreativwirtschaft, Zwischennutzungen, soziale Einrichtungen und auch F&E haben schon ihren Weg in das Hafengelände gefunden und sich die leerstehenden Gebäude und Flächen angeeignet. Die städtebauliche Strategie der Stadt Rotterdam hat in den letzten Jahrzehnten eine komplette Umkehrung vollzogen und verfolgt mittlerweile einen radikalen Nutzungsmix anstatt einer Funktionstrennung. Das M4H-Areal soll nach und nach in einen Mix von verschiedensten Funktionen transformiert werden, der der dort ansässigen Produktion und Hafenindustrie Raum lässt, aber auch Wohnen, Freizeit und neue Formen des Arbeitens und des Neben- und Miteinanders integriert und ermöglicht.  

Bausteine der Interaktion – Entwerfeninhalt

Um ein neues Verständnis für die Mischung zeitgenössischer Formen des Wohnens und Arbeitens, des Erholens und des Produzierens zu bekommen entwickeln und entwerfen sie verschiedene ‘Bausteine der Interaktion’. Während der Exkursion suchen sie sich Orte, Räume, Plätze und Typologien in die Merwe-Vierhavens [M4H] und wo Interaktion durch Mischung entstehen kann. Diese Dokumentieren sie und entwickeln sie weiter, unter anderem durch das Erproben von neuen Formen des Mischens. 

Fragen die sie hier beantworten sind unter anderem; Welche Typologien sind hierfür geeignet? - welche brauchen eine Anpassung? Entwerfen sie mehrere ‘Bausteine der Interaktion’ und untersuchen sie; - Wie sieht so ein Baustein aus? - Was muss sie können? - Was kann man mischen? - Was geht nebeneinander?  - Was geht zusammen? - Was muss getrennt sein? Wo kann gemischt werden und wo eben nicht? 

Sie arbeiten in Teams von bis zu drei Personen an ein Thema. Jeder im Team entwickelt und entwirft anhand das Thema ein Interaktiven Baustein. Die anhand verschiedener Pläne, wie Axonometrien, erläutert wie ihre Form der Mischung funktioniert. Somit entsteht ein gemeinsamen Katalog von Interaktiver Bausteine mit verschiedenster Themen.  

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Die Lehrveranstaltung wird mit der LehrveranstaltungGoing Dutch 010 – Produktive Stadt” Cross-Over Workshops und Besprechungen angeboten, um den Studierenden die Möglichkeit zu bieten sich über die entstandene Recherche, Analyse und Entwurf untereinander auszutauschen. 

Zusätzlich zum Betreuer:innen-Team wird es im Zuge der LVA auch Input von folgenden Expert:innen und lokalen Akteur:innen geben:

  • Susann Ahn – Forschungsbereich Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung, TU Wien
  • Markus Appenzeller – MLA+ / Academie van Bouwkunst Amsterdam
  • Annette Matthiessen – Stadt Rotterdam
  • Marthe van Gils – Veldacademie Rotterdam

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Exkursionsprogramm GOING DUTCH – ROTTERDAM + AMSTERDAM
Start: Sonntag: 23.10.2022 14:00 (M4H Gelände in Rotterdam)
Ende: Freitag 28.10.2022 18:00 Uhr 

  • Montag Tagesexkursion nach Amsterdam, an allen restlichen Tage findet das Programm in Rotterdam statt. 
  • Anreise + Unterkunft sind selbständig zu organisieren
  • zusätzlich sind mit ca. 60€ extra kosten für Gruppenführungen und Eintritte zu rechnen

 

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Beide GOING DUTCH-Entwerfen sind auch offen für Studierende der Raumplanung (jeweils 3 Studierende pro Entwerfen).

Anmeldung:
mit Portfolio per Mail bis 29.09.2022
an almar.ruiter@tuwien.ac.at

Anrechnung:
Kleines Entwerfen (5 ECTS)  
= RPL Studierende müssen zwei 5 ECTS Entwerfen absolvieren, und können es dann als Masterprojekt RPL verwenden

Großes Entwerfen (10 ECTS)
= Pflichtmodul 3: Masterprojekt Raumplanung (12 ECTS)

(Die fehlenden 2,0 ECTS können durch thematisch geeignete Lehrveranstaltungen aus dem Angebotd er Kern- und Ergänzungsfächer der Wahlmodule des Masterstudiums Raumplanung und Raumordnung oder des Masterstudiums Architektur ergänzt werden)

Methoden

  • Exkursion in die Niederlande (Rotterdam) 23.10. - 28.10.2022
  • 2x Intensivworkshop (in Rotterdam und in Wien)
  • Inputs von Expert*innen zu spezifischen übergreifenden Themen
  • Gruppenarbeit
  • Regelmäßiger Austausch mit der LVA Going Dutch 010 – Produktive Stadt
  • Zugang zum Projektraum am Tag der Korrektur den ganzen Tag lang

Prüfungsmodus

Prüfungsimmanent

Vortragende Personen

Institut

LVA Termine

TagZeitDatumOrtBeschreibung
Di.09:00 - 18:0004.10.2022Seminarraum 8 Kick-Off
Di.09:00 - 14:0011.10.2022 - 20.12.2022Projektraum 13 - Achtung! Werkraum, kein Seminarraum! Korrektur
Di.09:00 - 14:0008.11.2022Seminarraum CA0322 (Ersatz Proj.-Raum 15) Korrektur
Mi.09:00 - 14:0016.11.2022Seminarraum AE U1 - 2 Korrektur
08:00 - 20:0022.11.2022 - 25.11.2022 Seminarraum CA0322 (Ersatz Proj.-Raum 15)Workshop
Entwerfen GOING DUTCH 010. Rotterdam – Bausteine der Interaktion - Einzeltermine
TagDatumZeitOrtBeschreibung
Di.04.10.202209:00 - 18:00Seminarraum 8 Kick-Off
Di.11.10.202209:00 - 14:00Projektraum 13 - Achtung! Werkraum, kein Seminarraum! Korrektur
Di.18.10.202209:00 - 14:00Projektraum 13 - Achtung! Werkraum, kein Seminarraum! Korrektur
Di.08.11.202209:00 - 14:00Seminarraum CA0322 (Ersatz Proj.-Raum 15) Korrektur
Mi.16.11.202209:00 - 14:00Seminarraum AE U1 - 2 Korrektur
Di.22.11.202208:00 - 20:00 Seminarraum CA0322 (Ersatz Proj.-Raum 15)Workshop
Mi.23.11.202208:00 - 20:00 Seminarraum CA0322 (Ersatz Proj.-Raum 15)Workshop
Do.24.11.202208:00 - 20:00 Seminarraum CA0322 (Ersatz Proj.-Raum 15)Workshop
Fr.25.11.202208:00 - 20:00 Seminarraum CA0322 (Ersatz Proj.-Raum 15)Workshop
Di.29.11.202209:00 - 14:00Projektraum 13 - Achtung! Werkraum, kein Seminarraum! Korrektur
Di.06.12.202209:00 - 14:00Projektraum 13 - Achtung! Werkraum, kein Seminarraum! Korrektur
Di.13.12.202209:00 - 14:00Projektraum 13 - Achtung! Werkraum, kein Seminarraum! Korrektur
Di.20.12.202209:00 - 14:00Projektraum 13 - Achtung! Werkraum, kein Seminarraum! Korrektur

Leistungsnachweis

Wöchentliche Korrekturen, Exkursion, Intensivworkshops, Zwischenpräsentationen, Endabgabe. 
Der Leistungsnachweis erfolgt immanent. D.h. sowohl die Mitarbeit während aller Lehrveranstaltungseinheiten an der TU, als auch die kontinuierliche Arbeit zwischen diesen Einheiten, sowie die Qualität ebendieser und der Endabgabe werden zur Notenfindung herangezogen. 

Bewerbung

TitelBewerbungsbeginnBewerbungsende
Entwerfen Master / Künstlerische Projekte (5 ECTS)12.09.2022 09:0026.09.2022 23:59

Curricula

StudienkennzahlSemesterAnm.Bed.Info
066 443 Architektur

Literatur

Es wird kein Skriptum zur Lehrveranstaltung angeboten.

Vorkenntnisse

Studio Städtebau

Begleitende Lehrveranstaltungen

Weitere Informationen

Sprache

Deutsch