253.F01 Großes Entwerfen Anatomie einer Metropole
Diese Lehrveranstaltung ist in allen zugeordneten Curricula Teil der STEOP.
Diese Lehrveranstaltung ist in mindestens einem zugeordneten Curriculum Teil der STEOP.

2020S, UE, 8.0h, 10.0EC
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LVA-Bewertung

Merkmale

  • Semesterwochenstunden: 8.0
  • ECTS: 10.0
  • Typ: UE Übung

Lernergebnisse

Nach positiver Absolvierung der Lehrveranstaltung sind Studierende in der Lage konzeptuelles und konstruktives Denken, sowie verfeinerte Entwurfs- und Vermittlungswerkzeuge effektiv anzuwenden. Sie besitzen die Fähigkeit verschiedene Aspekte der Architektur und des Hochbaus in unterschiedlichen Maßstäben synchron zu denken. Die Studierende haben die Kompetenz, Entwurfskonzepte zu entwickeln, auszuarbeiten, umfassend darzustellen und schlüssig zu präsentieren.

Inhalt der Lehrveranstaltung

  • Rekonstruktion und Dokumentation von Wohn- und Geschäftshäusern der Wiener Eisenbetonpionierjahre 
  • Erstellung von Publikationsplänen und Strukturmodelle für eine Ausstellung im Ringturm mit dem entsprechenden Katalog 
  • Bauen im Bestand - Eigener Entwurf im Bestand des analysierten Hauses

Das Entwerfen findet im Rahmen des Forschungs- und Publikationsprojekts zum Thema 

ANATOMIE EINER METROPOLE, Die Pionierjahre des Bauens mit Eisenbeton in Wien 1890 – 1914 

Eine integrierte Geschichte von Gesellschaft, Wirtschaft und Technik, von Planungs-und Lebenskultur, Bau- und Stadtgestalt statt.

Die Forschung sieht vor, die übliche Sicht der "Wiener Moderne um 1900" wesentlich zu erweitern, zu aktualisieren bzw. signifikant zu korrigieren.

In der Vergegenwärtigung einer großen Ära der Wiener Baukultur beschränkt sich der Aspekt von Modernität nicht bloß auf Form- oder Stilfragen sowie Ästhetik von Fassaden oder Details. Signifikant ist vielmehr das Phänomen einer in dieser zeitlichen und räumlichen Dichte einmaligen Nutzung zukunftsweisender Bau-Technologie - "Eisenbeton" - zur Schaffung neuer Raum- und Haus-Typologien, die neue Kulturtechniken inkorporieren und verlebendigen. 

Es handelt sich hier z.B. um Dutzende Gebäude im Stadtkern. An ihnen manifestierte sich die nachhaltige Synthese technologischer und kultureller Modernisierung. Es waren durchwegs Pionier-Bauten, konzipiert in der damals brandneuen Eisenbeton-Technik mit den in Wien damals im Eisenbetonbau aufstrebenden, mit ihren Patenten im ganzen Raum der k.u.k. Monarchie und darüberhinaus führenden Firmen.

Mit dem armierten Beton wurde es plötzlich möglich, die tragenden Massen gegenüber dem Ziegelbau stark zu reduzieren. Größere Nutzlasten und Spannweiten konnten mit kleineren Dimensionen bewältigt werden. Die Substanz der Häuser lockerte sich. 

Aus massiven Mauerbauten wurden Gerüste, deren statische Fixierung auf Knotenpunkte in weitmaschigen Netzwerken schrumpfte. So konnten die Grundrisse offener, die Raumfolgen elastischer werden. Und diese Vorteile wurden u.a. dazu genutzt, um auf  den engen, innerstädtischen Parzellen dicht gepackte Überlagerungen verschiedener, neuartiger Nutzungen einzuführen bzw. um im gewerblichen oder infrastrukturellen Bereich für neue Produktionstechniken adäquate Raumgefüge bereitzustellen. 

Entscheidend war auch, dass sich in der Theoriebildung, der Bemessungs-, Bewehrungstechnik und Materialforschung damals eine europaweit führende Wiener Schule des Eisenbetons formierte, die mit dem Wirken von Josef Melan, Friedrich Emperger und Rudolf Saliger, der Technischen Hochschule Wien, dem 1890 gegründeten  Österreichischen Gewölbeausschuß  und dem 1907 konstituierten  Österreichischen Betonverein verbunden ist. 

Es ist das Phänomen des verzögerungsfreien Ineinanderwirkens von Unternehmern, Baufirmen, Bauherrschaften, Architekten, Ingenieuren und Theoretikern "am Puls der Zeit". Sämtliche Komponenten in Forschung/Theorie/Planung/Finanzierung/Realisierung - bis zu den Details auch der Glas-, Metall-, Keramik- oder Holzarbeit - stehen auf der selben, innovativen und nachhaltigen Stufe der Qualität.  (Text: Otto Kapfinger)

In der ersten Hälfte des Semesters werden die facettenreichen, konstruktiv-gestalterischen Qualitäten dokumentiert und anhand von Raumstrukturmodelle freigelegt. Eine einheitliche Aufarbeitung des Planmaterials sowie das Modell sind integrative Bestandteile des Forschungsprojektes und der damit verbundenen Ausstellung.  

Bestens vertraut mit der Anatomie des Gebäudes sieht die zweite Hälfte des Semesters einen Eingriff im Bestand vor, der aus den gewonnenen Erkenntnissen einen angemessenen und respektvollen Umgang damit thematisiert. Das Motto „Ein Umbau ist interessanter als ein Neubau - weil im Grunde alles Umbau ist“, vom Wiener Architekten Hermann Czech in seinem Artikel Alles ist Umbau formuliert und in seinem Werk praktiziert, stellt einen Grundgedanken für die Entwurfsarbeit dar.  

 

Methoden

Das Entwerfen ist als forschungsgeleitete Lehre konzipiert. Präzise Dokumentation und Rekonstruktion anhand von Archivmaterial und Aufnahmen vor Ort, bilden den direkten und unmittelbaren Bezug zur Architektur. Der vielschichtige Planungs- und Herstellungsprozess bietet einen tiefgreifenden Einblick in den architektonischen Entwurfsgedanken und die Ausführung der Bauwerke. Die eigene Entwurfsarbeit misst sich am Bestand. In ihrer genauen Betrachtung, bieten sich die Eisenbetonpionierbauten als Wegbereiter dazu.

Prüfungsmodus

Prüfungsimmanent

Weitere Informationen

Nähere Infos bei der Entwerfenpräsentation am 18.2. im Hörsaal 7 um 14:10-14:15

> Einführung: Mo.2.3.20 um 9 Uhr im Seminarraum A/B

Alle weiteren inhaltlichen und organisatorischen Infos werden bei der Einfühurng mitgeteilt. 

Die Entwurfsbesprechungen finden wöchentlich am Montag zwischen 9:00 - 13:00 Uhr im Seminarraum A statt. Für die Entwurfsbesprechungen gilt eine Teilnahmepflicht!

 

Forschungsteam: 

Dr.techn.h.c. Otto Kapfinger 

Dr. Markus Kristan 

Dr. Ursula Prokop

Dipl.Arch. Felix Siegrist

Mag.arch.Prof. Adolph Stiller

Dr. Maria Welzig

Arch.DI Anna Wickenhauser

 

KooperationspartnerInnen:

Forschungsbereich Hochbau und Entwerfen, TU Wien, Univ. Prof. Thomas Hasler / Astrid Staufer

Wien Museum, Dr. Andreas Nierhaus

Institut f. Tragwerksplanung / Betonbau TU, Univ. Prof. Johann Kolleger

 

Vortragende

Institut

Leistungsnachweis

Prüfungsimmanent

Bewerbung

TitelBewerbungsbeginnBewerbungsende
Master Gr. Entwerfen 2020S17.02.2020 09:0024.02.2020 23:59

Curricula

StudienkennzahlSemesterAnm.Bed.Info
066 443 Architektur

Literatur

Es wird kein Skriptum zur Lehrveranstaltung angeboten.

Sprache

Deutsch