251.159 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte
Diese Lehrveranstaltung ist in allen zugeordneten Curricula Teil der STEOP.
Diese Lehrveranstaltung ist in mindestens einem zugeordneten Curriculum Teil der STEOP.

2019S, SE, 3.0h, 4.0EC

Merkmale

  • Semesterwochenstunden: 3.0
  • ECTS: 4.0
  • Typ: SE Seminar

Ziele der Lehrveranstaltung

  • Verfassen einer Wahlseminararbeit, mit Option zur Erweiterung zu einer theoretischen Bachelorarbeit
  • Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten
  • Diskussion methodischer Arbeitsweisen
  • Hilfestellung bei der Strukturierung des zu behandelnden Themas
  • Anleitung zur (Literatur-)Recherche

Inhalt der Lehrveranstaltung

DOKUMENTATION EINES FREILICHTMUSEUMS: BAD TATZMANNSDORF

Das Thema des Wahlseminars Vergleichende Baugeschichte im Sommersemester 2019 ist die Dokumentation historischer Bauwerke des ländlichen Raums, die von ihren ursprünglichen Standorten im Umfeld der Region Südburgenland transloziert und auf dem Gelände des Freilichtmuseums Bad Tatzmannsdorf zusammengefasst wurden.
Damit berührt die Thematik dieses Wahlseminars eine der zentralen Aufgaben unseres Instituts in der Lehre und Forschung: die Untersuchung und Dokumentation von Baukulturen verschiedener Zeiträume und verschiedener Regionen in Europa und im außereuropäischen Bereich.
Baukultur schafft Identitäten; Baukultur ist ein wesentlicher Aspekt der Identität einer bestimmten Epoche, einer bestimmten Region, einer bestimmten ethnischen Gruppe; Baukultur ist einer der wichtigsten Faktoren der Zugehörigkeit und des Selbstbewusstseins des Individuums.
Um die Bedeutung von Baukultur zu verstehen, mag eine allgemeine Begriffsbestimmung von Kultur im Duden-Lexikon Aufschluss geben, welche Kultur als die "Gesamtheit der von einer bestimmten Gemeinschaft auf einem bestimmten Gebiet während einer bestimmten Epoche geschaffenen charakteristischen geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen" definiert.
Kultur - wie auch Baukultur - setzt die Existenz von Tradition voraus. Tradition ist aber keineswegs als statisches Element zu verstehen, sondern vielmehr in ihrer dynamischen Entwicklung vor dem Hintergrund ständig sich verändernder gesellschaftlicher und technologischer Faktoren zu begreifen.
Drastische Veränderungen von Gesellschaft und Technologie können allerdings zum Verschwinden bestimmter Bautypen führen, deren Funktion verlorenging. Der materielle Verlust derartiger Bautypen verursacht eine Lücke im historischen Verständnis, die nicht mehr geschlossen werden kann, falls ein Teil der betreffenden baulichen Objekte nicht erhalten und dokumentiert wird.
Das Bewusstwerden dieser Problematik hat dazu geführt, dass weltweit schützenswerte Bauwerke, deren Funktion an ihrem Standort nicht mehr besteht, transloziert werden und in Freilichtmuseen bewahrt werden. Selbstverständlich ist eine derartige museale Bewahrung lediglich eine Notlösung, erscheint jedoch als einzig möglicher Weg, historische Kontinuität der Nachwelt zu vermitteln.
Nach dem wirtschaftlichen Aufschwung seit den 1950-er Jahren mit der damals einhergehenden Revolution neuer Technologien und der abrupten Veränderung sozialer Verhältnisse waren in Mitteleuropa viele tradierte Bautypen plötzlich funktionslos geworden; historische Bauwerke wurden vor allem in ländlichen Regionen bedenkenlos abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Den verantwortlichen öffentlichen Kulturämtern schien der einzige Weg zur Erhaltung des architektonischen Erbes, die verbliebenen Reste in musealen Aufstellungen zu sammeln. In Österreich entstanden renommierte Freilichtmuseen in der Steiermark, in Niederösterreich, Tirol, Salzburg, Kärnten und dem Burgenland. Eines der schon in den 1960-er Jahren gegründeten Freilichtmuseen ist neben dem "Österreichischen Freilichtmuseum" in Stübing das Freilichtmuseum in Bad Tatzmannsdorf.
Das Freilichtmuseum Bad Tatzmannsdorf umfasst 24 Objekte aus dem Zeitraum zwischen dem 18. Jahrhunderts und dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Zum Großteil handelt es sich um Originalbauwerke, in einigen Fällen auch um originalgetreue Nachbauten. Dass dieses Museum in Bad Tatzmannsdorf eingerichtet worden war, beruht eigentlich auf einem Zufall. Ursprünglich war nämlich Stegersbach als Standort vorgesehen gewesen, aber der dort zur Verfügung stehende Platz wurde schon nach kurzer Zeit zu klein für die wachsende Sammlung historischer Bauobjekten. Als der damalige Kurdirektor von Bad Tatzmannsdorf ein im Besitz der Kurbad AG befindliches Gelände anbot, translozierte man kurzerhand die Bauwerke ein zweites Mal. Bis heute gehört damit das Freilichtmuseum Bad Tatzmannsdorf zum Gesundheitsresort "Reduce", von dem es auch betreut wird.
Der Auslöser für die Rettungsaktion der historischen Bauwerke war übrigens der geplante Abriss eines aus dem Jahre 1820 stammenden Kittings aus Oberwart, der 1960 transloziert wurde. Heute existieren nur noch wenige Exemplare derartiger Speicherbautypen, welche eine bemerkenswerte feuersichere Konstruktion aufweisen: Es sind Blockbauten mit Lehmverputz, die ein aus Holzbalken errichtetes Tonnengewölbe besitzen. Darüber wurde auf einer speziellen Vorrichtung ein Dach errichtet, welches bei Brandgefahr rasch abgeworfen werden konnte.
Im Lauf der Zeit erweiterte sich die Palette der historischen ländlichen Bautypen im Freilichtmuseum Bad Tatzmannsdorf auf Wohnhäuser, Scheunen, Ställe, sowie Sonderbauten wie Kellerstöckl, Bienenhaus, Darre, Glockenturm, Radbrunnen, und anderes. Die Absicht war es, mit der Vielfalt dieser Bautypen die historische Situation des ländlichen Lebens in der Region Südburgenland zu veranschaulichen.
Die konkrete Aufgabe im Rahmen des Wahlseminars ist eine ausführliche Dokumentation der baulichen Objekte. Die Besonderheiten der einzelnen Objekte sollen im Vergleich mit den entsprechenden regionalen Bautypen untersucht und dargestellt werden. Die dafür erforderlichen Methoden sind Bauaufnahmen durch Vermessung und Photogrammetrie der Objekte vor Ort im Freilichtmuseum, Studien von räumlichen und konstruktiven Charakteristika der einzelnen Gebäude durch Vergleiche mit entsprechenden noch existenten Bautypen in der Region Südburgenland, Literaturstudien zur Funktion und Geschichte der Bauten, sowie die Aufbereitung in detaillierten Beschreibungen, Plänen und CAD-Darstellungen.
Im Rahmen des Wahlseminars werden Exkursionen nach Bad Tatzmannsdorf und Umgebung stattfinden. Für den Aufenthalt in Bad Tatzmannsdorf werden kostengünstige Unterkünfte bereitgestellt.
Das Ziel des Wahlseminars ist die Vorbereitung einer von Studierenden und Experten gemeinsam erstellten Buchpublikation. Damit würde das Wissen über die im Freilichtmuseum Bad Tatzmannsdorf gesammelten Bautypen für die Nachwelt erhalten werden, auch wenn im Lauf der Zeit die ausgestellten Objekte durch den natürlichen Verfall nicht mehr existieren sollten.

Weitere Informationen

THEMATIK DES WAHLSEMINARS:

Dokumentation eines Freilichtmuseums: Bad Tatzmanndorf


Beachten Sie beim Verfassen der Ausarbeitung bitte die Richtlinie der TU Wien zum Umgang mit Plagiaten: https://www.tuwien.ac.at/fileadmin/t/ukanzlei/Lehre_-_Leitfaden_zum_Umgang_mit_Plagiaten.pdf


Beachten Sie beim Verfassen der Ausarbeitung bitte die Richtlinie der TU Wien zum Umgang mit Plagiaten: https://www.tuwien.at/fileadmin/Assets/dienstleister/Datenschutz_und_Dokumentenmanagement/Lehre_-_Leitfaden_zum_Umgang_mit_Plagiaten.pdf

Vortragende

Institut

LVA Termine

TagZeitDatumOrtBeschreibung
Di.15:00 - 17:0005.03.2019 - 25.06.2019Seminarraum 251 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte
Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte - Einzeltermine
TagDatumZeitOrtBeschreibung
Di.05.03.201915:00 - 17:00Seminarraum 251 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte
Di.12.03.201915:00 - 17:00Seminarraum 251 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte
Di.19.03.201915:00 - 17:00Seminarraum 251 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte
Di.26.03.201915:00 - 17:00Seminarraum 251 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte
Di.02.04.201915:00 - 17:00Seminarraum 251 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte
Di.09.04.201915:00 - 17:00Seminarraum 251 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte
Di.30.04.201915:00 - 17:00Seminarraum 251 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte
Di.07.05.201915:00 - 17:00Seminarraum 251 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte
Di.14.05.201915:00 - 17:00Seminarraum 251 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte
Di.21.05.201915:00 - 17:00Seminarraum 251 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte
Di.28.05.201915:00 - 17:00Seminarraum 251 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte
Di.18.06.201915:00 - 17:00Seminarraum 251 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte
Di.25.06.201915:00 - 17:00Seminarraum 251 Wahlseminar Vergleichende Baugeschichte

Leistungsnachweis

Seminararbeit (lt. "Richtlinien zum Verfassen einer Bakkalaureats- bzw. Seminararbeit" des Instituts, abrufbar unter http://baugeschichte.tuwien.ac.at, unter den aktuellen LVs bzw. im TISS).

Richtwert für die Länge der Seminararbeit: 30.000 Zeichen

 Die Seminararbeit kann zu einer theoretischen Bakkalaureatsarbeit erweitert werden (ca. 50.000 Zeichen). Voraussetzungen: Die vertiefende Ausarbeitung der Seminararbeit erfolgt im Zuge des Vertiefungsseminars (LVA 251.689). Die Vorlesung "Architekturwissenschaften" muss zusätzlich absolviert werden!

 

Bewerbung

TitelBewerbungsbeginnBewerbungsende
Wahlseminare SoSe1918.02.2019 09:0025.02.2019 23:59

Curricula

StudienkennzahlSemesterAnm.Bed.Info
033 243 Architektur 6. SemesterSTEOP
Lehrveranstaltung erfordert die Erfüllung der Studieneingangs- und Orientierungsphase STEOP

Literatur

Link zur offiziellen Website des Freilichtmuseums Bad Tatzmannsdorf:
https://www.freilichtmuseum-badtatzmannsdorf.at/freilichtmuseum/uebersichtsplan/

 

Vertiefende Lehrveranstaltungen

Weitere Informationen

  • Anwesenheitspflicht!

Sprache

Deutsch